Auf den Hütten des Deutschen, Österreichischen und Südtiroler Alpenvereins gilt für jedes Bett eine Regel: Du schläfst im Hüttenschlafsack, einem dünnen Innenschlafsack zwischen dir und den Decken. Der Italienische Alpenverein (CAI) schreibt das für seine Rifugi genauso vor. So ist es mit den meisten Überraschungen der ersten Hüttennacht: Sie stehen irgendwo geschrieben, nur nicht da, wo man beim ersten Mal nachsieht.
Zuerst: Wer betreibt die Hütte?
Die meisten Hütten gehören einem Alpenverein oder einer seiner Sektionen, und dann gelten dessen Regeln. In Deutschland und Österreich ist das die Hütten- und Tarifordnung von DAV und ÖAV, die auch der Alpenverein Südtirol (AVS) anwendet. In der Schweiz ist es der SAC, in Liechtenstein der LAV, in Frankreich die FFCAM, in Italien der CAI. Manche Hütten sind privat. Auf der Tour du Mont Blanc buchst du Hütten und Gîtes über die Plattform ihres eigenen Verbands.
Mitglieder zahlen weniger. Nach der Ordnung von DAV und ÖAV zahlen Nichtmitglieder auf den einfachen Hütten mindestens 12 € mehr pro Nacht. Mitglieder von Vereinen mit Gegenrechtsabkommen bekommen den Mitgliederpreis, aber nur mit gültigem Ausweis. Planst du mehrere Hüttennächte, frag deinen Verein, ob er so ein Abkommen hat.
Online buchen, für Juli und August früh
- Hut Reservation (hut-reservation.org) bucht über 500 Hütten im Alpenraum. DAV, ÖAV, SAC und AVS betreiben das System gemeinsam; Ende 2024 hat es alpsonline.org abgelöst. Nicht jede Hütte macht mit. Die anderen buchst du per Telefon oder E-Mail.
- Mon Tour du Mont-Blanc (montourdumontblanc.com) bucht die Hütten an der TMB. Die Buchungen für den nächsten Sommer öffnen im Herbst; das Datum steht auf der Plattform. Wie du die Nächte darum herum planst, steht in unserem Beitrag zu den französischen Alpen.
- Prenota Rifugi (prenotarifugi.cai.it) ist der Buchungsdienst des CAI für italienische Rifugi.
- Die französischen Vereinshütten (FFCAM) nehmen Buchungen jeweils auf ihrer eigenen Seite bei ffcam.fr an.
Nach der Ordnung von DAV und ÖAV darf eine Hütte höchstens 90 % ihrer Schlafplätze vorab vergeben. Verlass dich nicht auf den Rest: Vorrang haben Verletzte, die nicht absteigen können, und Bergretter im Einsatz.
Prüf auch, ob deine Hütte überhaupt offen ist. Das Refuge de la Croix du Bonhomme an der TMB zum Beispiel ist zurzeit wegen Neubaus geschlossen; sieh auf seiner Seite nach.
Lies die Stornoregel, bevor du zahlst
Jede Hütte legt ihre Bedingungen selbst fest, sie stehen auf der Buchungsseite. Drei Beispiele zeigen die Spanne:
- SAC-Hütten: Absagen, Ändern oder Verschieben ist kostenlos bis zwei Tage vor der ersten Nacht um 18 Uhr. Danach darf die Hütte bis zum vollen Preis der gebuchten Leistung verlangen, Halbpension eingeschlossen. Der SAC hat für seine bewarteten Hütten eine Reservationsgebühr von 10 Franken pro Gast und Nacht beschlossen, frühestens ab dem 1. Januar 2027. Sie wird bei der Buchung deiner Kreditkarte belastet, bei der Ankunft angerechnet und bei einer Absage nicht erstattet.
- Die TMB-Plattform: Du zahlst eine Anzahlung. Sagst du mehr als 30 Tage vorher ab, bekommst du 80 % davon zurück; innerhalb von 30 Tagen nichts, außer die Reiserücktrittsversicherung der Plattform deckt deinen Grund.
- DAV- und ÖAV-Hütten: Die Hütte darf eine Anzahlung nehmen und eine Stornogebühr verlangen. Die Höhe legt sie selbst fest, frag also die Hütte.
Ändern sich deine Pläne, sag ab. Der SAC bittet darum, immer abzusagen, wenn eine Tour ausfällt oder die Gruppe kleiner wird.
Was eine Nacht kostet (Stand Oktober 2026)
- SAC-Hütten: Ein Bett kostet für Erwachsene 25 bis 50 Franken, mit Halbpension (Abendessen, Übernachtung, Frühstück) 70 bis 100 Franken. Alle bewarteten SAC-Hütten bieten Halbpension an.
- TMB-Hütten: 65 bis 95 € pro Nacht mit Halbpension im Lager.
- CAI-Rifugi: Der CAI legt jedes Jahr den Höchstpreis für ein Lagerbett fest. 2026 sind es je nach Hüttenkategorie 30 bis 39 € für Nichtmitglieder und 24 bis 31,20 € für Mitglieder. Auf die Halbpension bekommen Mitglieder mindestens 20 % Rabatt.
- DAV- und ÖAV-Hütten: Auf den einfachen Hütten kostet ein Lagerplatz für Mitglieder höchstens 15 €.
Meist isst du Halbpension. Der DAV schreibt, abends gebe es in der Regel eine Halbpension mit mehreren Gängen, à la carte sei dann oft nicht mehr möglich. Auf den deutschen und österreichischen Vereinshütten darf die Hütte die Buchung aber nicht an die Halbpension koppeln. Achte dort auf das Bergsteigeressen: mindestens ein vegetarisches Gericht, das Vereinsmitglieder höchstens 11 € kostet.
Eigenes Essen ist nur eingeschränkt erlaubt. Auf DAV- und ÖAV-Hütten dürfen nur Mitglieder in einem eigenen Selbstversorgerraum essen, für 5 € pro Nacht. Auf CAI-Rifugi zahlen Nichtmitglieder 3 €, wenn sie Mitgebrachtes essen.
Was in den Rucksack gehört
- Ein Hüttenschlafsack. Aus Seide oder Baumwolle, wie der SAC schreibt. Auf DAV-, ÖAV- und CAI-Hütten ist er Pflicht, mehrere französische Vereinshütten verlangen ihn auch. Vergessen? Die meisten Hütten verkaufen oder verleihen einen, auf einem CAI-Rifugio zum Beispiel für 5 €.
- Ohrstöpsel und ein Handtuch. Der Rat der TMB-Plattform fürs Lager.
- Eine Stirnlampe. Steht auf der TMB-Packliste, und der Winterraum der Pfälzerhütte bittet ausdrücklich darum.
- Bargeld. Siehe unten.
Erwarte kein Hotel. Der DAV zählt auf, was fehlt: keine Federbetten, meistens keine Duschen und fremde Leute im Zimmer. Du schläfst im Lager oder, etwas teurer, im Mehrbettzimmer.
Nimm Bargeld mit
Kartenzahlung kommt, aber verlass dich nicht darauf. Der SAC schreibt, auf vielen seiner Hütten könne man inzwischen bargeldlos zahlen, und rät trotzdem zu genug Bargeld. Die Pfälzerhütte in Liechtenstein nimmt nur Bargeld (Franken, oder Euro zum Tageskurs). Manche CAI-Rifugi haben ein Kartenterminal; die Seite der Hütte sagt, welche.
Der Abend
Auf der TMB gibt es das Abendessen gegen 18.30 oder 19 Uhr, und die Plattform bittet dich, mindestens eine Stunde vorher da zu sein. Auf den deutschen und österreichischen Vereinshütten trägst du dich bei der Ankunft ins Hüttenbuch ein. Schreib dein nächstes Ziel und deine Handynummer dazu; die Ordnung empfiehlt es, damit die Bergrettung weiß, wo sie suchen muss.
Bergschuhe bleiben draußen aus den Schlafräumen, Essen auch. Nach der Ordnung von DAV und ÖAV wird in den Schlafräumen weder gegessen noch gekocht, und Kerzen oder Kocher sind dort verboten. In der ganzen Hütte ist Rauchen verboten, und Musik läuft keine, außer über Kopfhörer für den Wetterbericht.
Um 22 Uhr beginnt die Hüttenruhe. So steht es beim SAC, so regelt es die Ordnung von DAV und ÖAV (22 bis 6 Uhr, nach Absprache auch später, nie nach Mitternacht), und dann gehen auch auf den TMB-Hütten die Lichter aus. Brichst du vor Sonnenaufgang auf, pack am Abend. Die Ordnung von DAV und ÖAV verlangt, dass Frühaufsteher die anderen nicht wecken.
Winterräume
Schließt eine Hütte für die Saison, bleibt oft ein Teil offen: der Winterraum. Er ist unbewartet, mit Betten und Decken, manchmal mit Ofen, und du zahlst auf Vertrauen. Der Winterraum der Pfälzerhütte, das Adlerhorst, hat 21 Schlafplätze, einen Holzofen und einen Kochherd und kostet 20 Franken pro Nacht, bar in die Kasse oder per Überweisung. Die Hüttensaison dort steht in unserem Liechtenstein-Beitrag. Manche Winterräume in Österreich und Deutschland sind abgeschlossen und gehen nur mit dem AV-Schlüssel auf, den Mitglieder bei ihrer Sektion ausleihen. Der SAC schreibt, einige seiner Hütten hätten ihre Winterräume geschlossen. Prüf das vorher und nimm dein Essen mit: Ein Winterraum verkauft nichts.
Eine erste Hütte zum Ausprobieren
Die Pfälzerhütte (2108 m) liegt am Fürstin-Gina-Weg über Malbun in Liechtenstein, einer markierten Runde ab der Bushaltestelle. Halbpension kostet 68 Franken für Mitglieder eines Alpenvereins und 75 Franken für alle anderen (Stand Oktober 2026), mit einem vegetarischen Drei-Gänge-Menü. Sie öffnet Anfang Juni für den Sommer und ist über Hut Reservation buchbar. Klappt die eine Nacht, ist der nächste Schritt eine Hüttentour: Die Hütten der Tour du Mont Blanc buchst du alle über eine Plattform.
Buch die erste Hütte für einen Wochentag: Laut SAC sind die Hütten vor allem am Wochenende und in der Hochsaison voll. Und pack zuerst den Hüttenschlafsack ein.
Zuletzt geprüft: Oktober 2026
