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Lauterbrunnen: Das Tal der 72 Wasserfälle

72 Wasserfälle stürzen in einem einzigen Tal von den Felswänden. Die ersten siehst du schon aus dem Zugfenster, wenn du in Lauterbrunnen einfährst.

Das Lauterbrunnental ist ein Trogtal wie aus dem Lehrbuch: ein breiter, flacher Talboden zwischen fast senkrechten Kalksteinwänden. Als der Gletscher das Haupttal vertiefte, blieben die Seitenbäche hoch oben in den Felswänden hängen. Deshalb fällt hier so viel Wasser, statt einfach ins Tal zu fließen. Im späten Frühling, wenn die Schneeschmelze ihren Höhepunkt erreicht, hörst du die Fälle, bevor du sie siehst.

Drei Wasserfälle, die sich lohnen

Der Staubbachfall stürzt 297 m frei von der Felswand oberhalb des Dorfes, der höchste frei fallende Wasserfall der Schweiz. Du siehst ihn, sobald du aus dem Zug steigst. Im Sommer führt ein Weg zum Fuß des Falls, so nah, dass du die Gischt spürst. Der Blick zurück ins Tal lohnt den Aufstieg.

Die Trümmelbachfälle sind zehn Gletscherwasserfälle im Inneren des Berges. Bis auf den untersten waren alle im Fels verborgen, bis sie 1877 erstmals erschlossen wurden. Deshalb beschreibt der Name keinen Anblick, sondern ein Geräusch: Trümmelbach heißt Trommelbach. Ein Tunnellift bringt dich im Fels nach oben, und du hörst das Wasser lange, bevor du es siehst. Der Bach entwässert die Gletscher von Eiger, Mönch und Jungfrau, bei Spitzenabfluss bis zu 20.000 Liter pro Sekunde.

  • Geöffnet von Anfang April bis Anfang November, je nach Wetter: 9 bis 17 Uhr, im Juli und August 8.30 bis 18 Uhr.
  • Eintritt: CHF 18 für Erwachsene, CHF 8 für Kinder von 6 bis 15 Jahren (Stand Oktober 2026). Kinder unter 4 Jahren und Hunde sind aus Sicherheitsgründen nicht zugelassen.
  • Der Bus 141 fährt alle 30 Minuten in 7 Minuten vom Bahnhof Lauterbrunnen zur Haltestelle Trümmelbachfälle. Mit dem Auto parkst du bei den Fällen kostenlos.

Der Mürrenbachfall fällt 417 m von der Felswand unterhalb von Mürren bis fast auf den Talboden bei Stechelberg. Insgesamt ist das mehr als beim Staubbachfall, aber das Wasser läuft an der Felswand hinunter, statt frei zu fallen. Nah heran kommst du schwerer. Am eindrucksvollsten ist er nach der Schneeschmelze oder nach einem kräftigen Sommergewitter. Der Bus 141 fährt weiter bis Stechelberg, 12 Minuten ab Lauterbrunnen.

Mai bis September fürs Wasser, früh morgens für Ruhe

Mai und Juni sind die Hochsaison für die Wasserfälle aus der Schneeschmelze. Der Trümmelbach wird zusätzlich von Gletschern gespeist und führt deshalb bis in den September viel Wasser, ebenso nach jedem kräftigen Sommerregen.

Lauterbrunnen kursiert seit Jahren in den sozialen Medien, und an Wochenenden im Juli und August kommen entsprechend viele Leute. Sei bei den Trümmelbachfällen, wenn sie öffnen (im Juli und August um 8.30 Uhr), und lauf oder fahr dann weiter nach Stechelberg. Noch besser: Übernachte im Tal. Am Abend und frühen Morgen, bevor die Tagesgäste kommen, ist es ein anderer Ort.

Im Winter: das Tal ohne Wasserfälle

Die Trümmelbachfälle sind von Anfang November bis Anfang April geschlossen. Von Dezember bis März fließt dort ohnehin nur ein Rinnsal unter dem Eis. Der Weg hinter den Staubbachfall ist nur im Sommer offen, und Schweiz Tourismus führt die Talwanderung von April bis November. Die Bahnen nach Wengen und Mürren fahren den ganzen Winter, und beide Dörfer liegen in Skigebieten. Im Winter ist Lauterbrunnen deshalb eher Ausgangspunkt für die Pisten darüber als ein Ziel für Wasserfälle.

Anreise

  • Ab Interlaken Ost: 22 Minuten mit dem Direktzug, alle 30 Minuten.
  • Ab Grindelwald: 39 Minuten, mit Umstieg in Zweilütschinen.
  • Mit dem Auto: Das Parkhaus beim Bahnhof Lauterbrunnen kostet CHF 18 für 8 Stunden (Stand Oktober 2026) und ist rund um die Uhr geöffnet.

Aktuelle Verbindungen findest du im SBB-Fahrplan.

Zu Fuß durchs Tal oder hinauf nach Wengen und Mürren

Die Talwanderung von Lauterbrunnen nach Stechelberg ist 8 km lang und dauert rund 2 Stunden, mit 161 m Auf- und 51 m Abstieg. Schweiz Tourismus stuft sie als leicht ein. Etwa auf halber Strecke kommst du an den Trümmelbachfällen vorbei, gegen Ende am Mürrenbachfall. Der Bus 141 fährt dieselbe Strecke, du kannst also in eine Richtung laufen und zurückfahren.

Willst du höher hinaus, fahr mit der Bahn ins autofreie Wengen (1274 m, 11 Minuten) oder mit Seilbahn und Bahn über die Grütschalp ins autofreie Mürren (1638 m, 18 Minuten). Von Mürren gehst du hinunter nach Gimmelwald, vorbei an Alpweiden und alten Bauernhäusern, mit Blick über das Tal auf Eiger, Mönch und Jungfrau. Willst du zu Fuß ankommen, folgt unser Via-Alpina-Guide der Etappe von Grindelwald über die Kleine Scheidegg und durch Wengen hinunter nach Lauterbrunnen.

Spät in der Saison: erst die Wassermenge prüfen

Im Oktober sind die Fälle oft nur noch ein Schatten ihrer selbst. Nach Frostnächten im April und Oktober führt der Trümmelbach laut den Betreibern nur ein paar Dutzend Liter pro Sekunde, im Sommer bis zu 20.000. Der Eintritt kostet gleich viel. Kommst du so spät, dann nach ein paar milden Tagen statt am Morgen nach einer Frostnacht. Oder mach die Talwanderung zum eigentlichen Ziel und nimm die Fälle als Zugabe.

Plane deinen Tag mit dem Via-Alpina-Guide für den Abstieg von der Kleinen Scheidegg oder mit dem Jungfraujoch-Guide, wenn du von Wengen mit der Bahn weiter hinauf willst.

Zuletzt geprüft: Oktober 2026